Roman Müller-Böhm

Was soll der Zirkus? Wildtiere hält man nicht!

Elefant in freier Wildbahn

Es ist noch ganz aktuell, dass im Zirkus Krone zwei Elefantenkühe ihre Artgenossin in die Zuschauerloge gestoßen haben. Wie so oft titeln die Zeitungen ein paar Tage lang über dieses Thema. Die Menschen diskutieren mit. Doch dann ist der Vorfall auch wieder vergessen.

Dass sich hinter diesem Unglück aber viel mehr Diskussionsbedarf verbirgt, liegt eigentlich auf der Hand. 

 

"Warum haben die Elefanten sich gegenseitig angegriffen?"

"Ist die Wildtierhaltung in Zirkussen eigentlich noch zeitgemäß? War Sie das jemals?"

"Welche Verantwortung hat der Mensch gegenüber seiner Umwelt, gegenüber dem Tierreich?"

"Was reizt die Menschen daran, exotische Tiere in Zirkusmanegen zu begaffen?"

 

All das sind Fragen, die ich mir schon lange stelle und deren Beantwortung einer tiefgründigen Debatte benötigen. Einen ersten Anstoß dazu möchte ich geben. Doch wer diese Fragen beantworten will, dem bleibt eine Reise in die Philosophie nicht erspart. Schweitzer, Singer, Schopenhauer...

Die Liste großartiger Tierethiker lässt sich lange fortführen, ich möchte hierbei allerdings ein besonderes Augenmerk auf die Gedanken Albert Schweitzers lenken.

Doch um die Eingangsfragen zu beantworten, muss ich zwei Dinge voneinander trennen: Die Frage nach den Haltungsbedingungen und die Frage nach der grundsätzlichen Zulässigkeit der Tierhaltung in Zirkussen. Ich will das Thema sowohl aus rechtlicher, als auch aus philosophischer Sicht beleuchten, um den Kreis zu schließen.

Elefanten sind soziale, emotionale und intelligente Wesen. Sie leben in Herden. Ihr Lebensraum erstreckt sich jeweils über bis zu mehreren hundert Quadratkilometern. Ein Umfeld, welches kein Zirkus der Welt auch nur annähernd bieten kann.  Allein das ist für mich schon Grund genug, die Haltung von Elefanten in Zirkussen zu kritisieren. Bei anderen Arten ist dies ähnlich. Einzelne Kommunen haben hier schon selbstständig versucht, dies kommunal zu regeln. Dies wurde aber gerichtlich wieder einkassiert. Hier hat der Bundestag als Gesetzgeber die Möglichkeit, das Wildtierverbot oder Verschärfungen der Haltungsstandards in Zirkussen tierschutzrechtlich zu regeln.

Doch auch unabhängig von den Haltungsbedingungen stelle ich mir die Frage der Zulässigkeit von Wildtierhaltung in Zirkussen. Eine mitgefühlslose Zurschaustellung von Wildtieren zur reinen Unterhaltung von Menschen ist an Sinnlosigkeit und Respektlosigkeit gegenüber diesen empfindenden Wesen kaum zu überbieten.

Löwe in freier Wildbahn

"Je früher unsere Jugend von sich aus jede Roheit gegen Tiere als verwerflich anzusehen lernt, je mehr sie darauf achtet, dass aus Spiel und Umgang mit Tieren nicht Quälerei wird, desto klarer wird auch später ihr Unterscheidungsvermögen werden, was in der Welt der Grossen Recht und Unrecht ist." - Theodor Heuss

Wer ein Tier tötet, um sich zu ernähren und ihm dabei einen schnellen und schmerzarmen Tod bereitet, der zeigt Ehrfurcht vor dem Leben. Wer hingegen Tiere zur Belustigung in Gefangenschaft hält, der zeigt Missachtung vor dem Leben. Er vergisst seine Verantwortung gegenüber seiner Mitwelt. Liberale Verantwortungsethik bedeutet für mich auch eine Verantwortung gegenüber unserer Mitwelt und allen empfindenden Geschöpfen. Dabei will ich als Liberaler die Tierhaltung nicht grundsätzlich verbieten, stelle mir aber die Frage, welcher Umgang mit Tieren meinem Weltbild angemessen ist, denn immer häufiger beobachte ich Zustände, die mit meinem lebensbejahenden und offenen Weltbild in Konflikt stehen.  

Die grundsätzliche Frage des Tierschutzes, die es dabei zu beantworten gilt, ist die Frage, welche Rechte wir Tieren zusprechen wollen und welche rechtliche Stellung wir ihnen geben möchten. Es hat sich gezeigt, dass das Sachenrecht und die Behandlung von Tieren als Sachen mit einem modernen Tierschutz nicht mehr zu vereinbaren sind. 

Hier brauchen wir eine breite gesellschaftliche Debatte!

Sicher werden die Kritiker fragen, ob es keine wichtigeren Themen gäbe, doch schon Albert Schweitzer erkannte richtigerweise: "Das Wenige, das du tun kannst, ist viel – wenn du nur irgendwo Schmerz und Weh und Angst von einem Wesen nimmst, sei es Mensch, sei es irgendeine Kreatur. Leben erhalten ist das einzige Glück." 

Ich will den Anfang wagen: Wildtierhaltung in Zirkussen gehört verboten!